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Sprechstunde Urogynäkologie und Beckenboden

In dieser Sprechstunde werden Frauen mit Inkontinenz oder Senkungsproblematik beraten, untersucht und behandelt. Nach einem eingehenden Beratungsgespräch stehen verschiedene diagnostische Möglichkeiten zur weiteren Abklärung der Beschwerden zur Verfügung. Neben der allgemeinen gynäkologischen Untersuchung werden apparative Messungen an der Blase und Harnröhre zur genaueren Klärung der Beschwerden durchgeführt. Als Verfahren stehen die Blasendruckmessung (Urodynamik), die Blasenspiegelung und die Sonografie zur Verfügung. In besonderen Situationen können auch kernspintomografische Untersuchungen des Beckenbodens durchgeführt werden. Nach Vorliegen der Befunde wird in einem ausführlichen Gespräche mit der Patientin ein individuelles Behandlungskonzept erarbeitet. Wenn möglich werden zunächst konservative Therapieschritte eingeleitet. Dazu zählen u.a. die medikamentöse Therapie der Drang- und Belastungsinkontinenz, das Beckenbodentraining ggf. mit Elektrostimulation der Beckenbodenmuskulatur sowie in manchen Fällen die Unterstützung des Beckenbodens mit Pessaren.

Anmeldung und Terminvereinbarung

  • Telefon (0931) 201-25295 (Poliklinik Anmeldung)

Harninkontinenz, Beckenboden, Senkungsbeschwerden

Dieser Bereich umfasst die Diagnostik und Therapie der Harninkontinenz (unwillkürlicher Harnabgang) und der Senkungserkrankungen. Ursache einer Harninkontinenz kann neben einer Störung des Verschlussmechanismus der Harnblase (sog. Belastungsinkontinenz, z.B. Urinabgang beim Husten oder Niesen) u.a. auch ein nicht beeinflussbares Zusammenziehen des Blasenmuskels sein (sog. Dranginkontinenz, nicht beherrschbarer plötzlicher starker Harndrang). Senkungsbeschwerden können bei einem Tiefertreten (Deszensus) der Gebärmutter, Harnblase oder des Enddarms auftreten. Ursache dafür ist eine Schwäche der Haltestrukturen im kleinen Becken. Typische Senkungsbeschwerden sind ein "Druckgefühl" nach unten und ein Fremdkörpergefühl in der Scheide, beispielweise beim Geschlechtsverkehr. Ist die Blase oder der Darm betroffen, kann es auch zu Blasenentleerungsstörungen, Inkontinenz und Problemen mit der Stuhlentleerung kommen. Diese mitunter komplexen Krankheitsbilder sind für die betroffenen Patientinnen oftmals in mehrfacher Hinsicht belastend. Wichtig sind daher ein ausführliches Gespräch, eine kompetente (uro)gynäkologische Untersuchung und ein individuelles Therapiekonzept:

Operative Therapie

Wenn konservativen Maßnahmen nicht ausreichen, stehen an der Universitätsfrauenklinik Würzburg verschiedene operative Verfahren zur Verfügung. Im Bereich der Inkontinenzchirurgie finden retropubische, spannungsfreie Vaginalbänder (sog. „klassisches TVT“) sowie Kolposuspensionsoperationen (Burch) und urethrale Unterspritzungen Verwendung. Der Schwerpunkt im Bereich der Deszensuschirurgie liegt auf vaginalen Operationsverfahren: Bei Senkungen der Blase und/oder des Enddarms wird die Scheide durch eine vordere und hintere Plastik (Kolporraphie) rekonstruiert. Bei einem Vorfall der Scheide kann diese an der Kreuzbeinhöhle fixiert werden (sog. sacrospinale Fixation nach Amreich-Richter). Immer häufiger wird dieses Verfahren auch unter Erhalt der Gebärmutter durchgeführt (sog. sacrospinale Hysteropexie). Defekte der seitlichen Scheidenaufhängung werden über einen Bauchschnitt operiert („lateral Repair“). Dasselbe gilt für die Fälle, wenn die Scheide vorfällt aber nicht lang genug für eine Fixation an der Kreuzbeinhöhle ist: Dann kann das Scheidenende mit einem kleinen Netz (sozusagen als Verlängerung) an der Kreuzbeinhöhle fixiert werden. Derzeit scheint der Trend hin zur Verwendung von Fremdmaterialien (sog. „Netze“) bei der Rekonstruktion von Beckenbodendefekten zu gehen. Wir möchten betonen, dass - im Gegensatz dazu - das Operationskonzept der Universitätsfrauenklinik Würzburg darin besteht möglichst wenig Fremdmaterial zu verwenden. Stattdessen werden bei uns die Rekonstruktionsoperationen mit körpereigenem Material durchgeführt.

Die Verwendung von „Netzen“ ist der Verwendung von körpereigenen Materialen hinsichtlich des Operationserfolgs nicht überlegen, weist aber eine erhöhte Komplikationsrate auf. Die Zulassung von solchen Materialien unterliegt bei weitem nicht so strengen Prüfungen wie die Zulassung von Medikamenten. Aufgrund der Vielfalt der Hersteller und Produkte, die derzeit auf dem Markt sind, herrscht derzeit eine unübersichtliche Situation, der Nutzen ist für viele dieser Produkte nicht ausreichend belegt, daneben existieren zu wenig Erfahrungen hinsichtlich der Langzeitkomplikationsrate. Auch die deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) weist in Ihrer aktuellen Leitlinie zur Deszensus- und Inkontinenzchirurgie darauf hin, dass die Indikationen zur Netzeinlage derzeit nicht klar definiert werden können. Eine korrekt gestellte Indikation ist aber die Voraussetzung jeder Operation. Das wichtigste Ziel muss sein, der Patientin „vor allem nicht zu schaden“ („primum nil nocere“).